Historie
Das Schlagerderby des Deutschlandfunks
1965-1978

Zum Deutschlandfunk (5 Köln-Marienburg (51), Lindenallee 7) kommt Carl-Ludwig Wolff im Jahr 1962.
Der DLF sendet vorwiegend aus einem Altbau in Marienburg, der Villa Neuerburg und anderen Villen in Köln-Marienburg, Lindenallee 7, untergebracht - Lindenallee 7 war das Hauptgebäude. Das Bauamt der Stad hatte lediglich einen Anbau innerhalb des Grundstücks an der Mauer entlang genehmigt - für Tonträger, Aufnahme-Studios und Technikräume. Der Altbau gehörte einer bedeutenden Handelsfamilie aus dem 18./19. Jahrhundert mit Namen "Neuerburg", dessen großes Geschäftshaus in der Kölner Innenstadt unter Denkmalschutz steht. Die Villa in Marienburg war ihr Privat-Domizil. Dort hatten sie u.a. eine wertvolle bemalte Holzdecke ind er Bibliothek installieren lassen. Um Untergeschoss wurden türkische Bäder mit Saunen und einem Schwimmbad eingerichtet. Natürlich steht auch dieser Bau-Komplex unter Denkmalschutz! Dort unten wurden die Sendestudios und die Sendetechnik mit Schaltraum und allem technischen Bohei untergebracht mit der Auflage der Stadt Köln (Bauamt), alle Räume nur so zu verändern, dass sie bei einem möglichen Auszug des DLF wieder in ihren Urzustand zurück versetzt werden konnten. Aus diesem Grund wurden manchmal Späße gemacht mit Sprüchen, wie "Na, sendet ihr wieder aus'm Schwimmbad?".

Heute ist die Polnische Botschaft dort untergebracht.

Der DLF sendete (bis 1979) ausschließlich auf Langwelle und Mittelwelle, wo Stereo-Ton kein Thema war. Aus diesem Grund wurde auch nie eine einzige "Schlagerderby" oder "Aktueller Plattenteller"-Sendung in Stereo produziert/ausgestrahlt, sondern alles nur in Mono.

Geburtsstunde des Schlagerderbys
Der folgende Dialog führt zur Gründung des Schlagerderbys: „Ich habe eine Sendung im Haupt-Abendprogramm von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr, die ich verändern möchte,. natürlich eine Unterhaltungssendung, die von Hörern durch ihre Zuschriften mitgestaltet werden soll.“ „Also eine Art Hitparade?“ „Ja und nein ... von der Stuktur her eine Art Hitparade mit deutschen und ausländischen Produktionen, aber ich will keine Radau-Sendung - hier ist ihre Deutschlandfunk-Hitparade, tärä, tärä!! Das würde auch nicht zur Geschichte und Stil des Hauses passen. Ich stelle mir das etwas eleganter vor und hab deshalb eine Anleihe beim Pferdesport gemacht ... ich will das Ganze ,Schlagerderby’ nennen, ein Musik-Wettbewerb um Sieg und Platz, wenn Sie so wollen.“ „Gute Idee - übrigens beim Pferderennen kenn ich mich auch ein bisschen aus!“ „Sehr schön - außerdem haben Sie beim Theater gelernt, mit Menschen, mit Rollen und Literatur umzugehen, ich glaube, Sie sind genau der Richtige für diese Sendungen. Wir starten am vorletzten Montag im August, das ist der 23. 8. 1965, mit den ersten zwanzig Favoriten. Die Hörer bestimmen dann per Brief oder Postkarte, welche zehn Titel als Favoriten im Rennen bleiben - natürlich die, auf die die meisten Stimmen entfallen; die anderen zehn sind draußen. In der Woche danach starten wir zwanzig Aussenseiter, aus denen die Hörer wiederum mit ihren Zuschriften die zehn Bestplatzierten herausfiltern, die dann in der dritten Woche mit den zehn Favoriten des ersten Rennens neu an den Start gehen ... und dann beginnt das Spiel von vorn! Wir werden uns natürlich auch etwas an den Bestsellerlisten in England und Amerika, auch in Frankreich und Italien orientieren, sofern sie uns zur Verfügung stehen.“ „Wie verfahren wir bei der Stimmabgabe - kann auch für mehrere Titel abgestimmt werden?“ „Nein, um Gottes willen - den Abstimmungsmodus müssen wir ganz klar machen: Jeder kann bei einem Derbylauf nur eine Stimme abgeben, alles andere wäre ungültig! Natürlich können - zum Beispiel um Porto zu sparen - in Schulklassen oder Freundeskreisen Stimmgemeinschaften gebildet werden, dann muss aber jeder Einzelne mit Namen, Adresse und Unterschrift verzeichnet sein!“ „Wie ist das mit dem Einsendeschluss - welcher Poststempel gilt?“ „Ganz wichtig! Ich war ja noch nicht am Ende mit meinem Latein: Jeweils am Dienstag mache ich ein Zuspielband mit Kurzfassungen der zwanzig Titel, Gesamtlänge etwa 30 bis 35 Minuten, die Musikstücke sind durch Gelbband getrennt. Sie streichen das Manuskript so zusammen, dass nur die wichtigsten Informationen stehen bleiben, und wir wiederholen den Derbylauf in der Hälfte der Sendezeit - statt 90 Minuten 45 Minuten - am Mittwoch im „Aktuellen Plattenteller“ zwischen 18.15 und 19.00 Uhr. Diesen Plattenteller lassen wir mitschneiden und wiederholen ihn im Nachtprogramm zwischen 1.15 Uhr und 2.00 Uhr, für alle gilt dann der Poststempel - Donnerstagabend, 24.00 Uhr.
„Au Mann - das erste, was mir dazu einfällt: Ich muss mir einen Superdraht zur Technik stricken, denn diejenigen, die diese Sendungen fahren, bekommen Stress!“ „Ach ja, das hab ich vergessen: in der Erstsendung, am Montagabend, haben wir ja auch noch einen Kurzdurchlauf gegen Schluss der Sendezeit - da müssen Sie noch einmal Titel, Interpreten und Startnummern anreißen!“ „Also ... da werde ich dem Techniker sagen, er soll das Mikorophon die ganze Zeit lang auf lassen, das geht ja gar nicht anders! Kann ich denn auch mal ein bisschen ironisch werden, manche Texte sind ja so, dass sich die Schuhsohlen kräuseln ... Oder können wir auch mal ernste Themen ansprechen, ohne mit den Redaktionen Politik und Zeitgeschehen zu kollidieren, ich meine Themen, die sich aus Song-Texten, aus bestimmten Schallplattenproduktionen - oder vielleicht auch aus der Hörerpost ergeben?“ „Ja, natürlich, deshalb will ich ja irgendwann ein sogenanntes Derby-Intermezzo ,Zwischen den Rennen’ platzieren, damit sich die Sendung nicht so schnell totläuft - dort können wir dann Hörerwünsche erfüllen, interessante Langspielplatten vorstellen oder Aufnahmen, die für einen Start im Derby nicht geeignet sind.“ „Na gut, alles klar - ich bin zu derlei Schandtaten bereit, aber - das Zweite, was mir einfällt, sind die Hörer in Mitteldeutschland, die müssten wohl ihre Post am Dienstag, spätestens Mittwoch auf den Weg bringen ... die kommt ja mit einer gewissen Zeitverzögerung an! Alles andere ... mit dem Chef der Sendeleitung und dem Chefsprecher, Dienstpläne etc. - das muss hausintern geklärt werden, da habe ich keine Aktien drin!“ „Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, das läuft über uns, über die Unterhaltungsabteilung und die Kulturdirektion!“ „Na denn - auf gute Zusammenarbeit, mal sehen, was die alten Preußen so stemmen können!“

Erste Sendung: 23. 8. 1965
Spektakuläre Reaktion: 13.325 Zuschriften
Das Intro zur Sendung ist "A String of Trumpets" vom WDR Orchester Kurt Edelhagen (von 1965-1968)

Eine Folgesendung: 31.995 Zuschriften - das war sensationell!

Für das erste Halbjahr beläuft sich die Gesamtzahl der Briefe und Postkarten auf 140.884, die von der Pressestelle weiter an die Unterhaltunsabteilung gingen, und dort von Studenten aussortiert und gezählt wurden. Fanclubs und Interessengruppen wurden aussortiert, damit kein Schmu betrieben werden konnte. Der DLF stand Kopf, weil Carlo fast über Nacht zum Unterhaltungsstar geworden war.

Die tatsächliche (nicht aktive) Hörerzahl hochgerechnet aus den votierenden (obgleich es nichts zu gewinnen gab) ... ergab da ganz andere Zahlen und die waren „eine Wucht!“

Interessant war, dass 2 bis 5 Prozent aus der Ostzone kamen, wohl weil die Kontrollorgane in Mitteldeutschland ein paar Wochen brauchten, um sich auf die neue „Gift-Saat“ (SED-Jargon für West-Sendungen) einzustellen und die Post abzufangen, worauf es dann oft drakonische Strafen hagelte. Die Post wurde oftmals durch Freunde oder Bekannte, die nach Polen, Ungarn oder in die Tschechoslowakei reisten, mitgegeben, die diese dort dann aufgaben. Oder Großeltern, die Einreisevisen nach West-Berlin oder in die Bundesrepublik bekamen warfen die Briefe dort ein, wobei die Post aus der Sowjetischen Besatzungszone pfiffigerweise nicht mehr an den Deutschlandfunk, 5 Köln-Marienburg, Lindenallee 7, sondern an das ,Schlagerderby’ oder das ,Derby’ oder schlicht an Carlo oder Carlo W., 5 Köln-Marienburg, Lindenallee 7, adressiert wurde. Damit hatte Carl-Ludwig Wolff auch seinen neuesten Namen war, der ihn sein weiteres Leben lang begleiten würde. Sein Vorgesetzer Hanns Müller hatte ihm eingebläut, da der DLF ein konservativer Regierungssender ist, es dort nur heisst „Ostzone“, „Sowjetische Besatzungszone“ oder „Mitteldeutschland“ - auf keinen Fall DDR, auch wenn Carlo dies gegen den Strich ging.

Das Schlagerderby vom DLF avanciert sehr schnell zu den am meisten gehörten Rundfunksendungen - nicht nur in Deutschland, auf Grund der flächendeckenden Verbreitung kam die Post auch aus Rumänien und Finnland, aus Skandinavien - Schweden, Norwegen, Dänemark -, aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Südtirol.

30. August 1965: Rolling Stones starten mit „(I can’t get no) Satisfaction“ im „Schlagerderby“, am 15. September geben sie ein Konzert in der Berliner „Waldbühne“, wo sich rund 21.000 meist jugendliche Fans eingefunden hatten, der Rest steht draussen vor den Toren, hatte keine Karten mehr bekommen. Kurz nach dem ersten Auftritt der „Stones“ kommt es zu schweren Krawallen, die Musiker müssen nach wenigen Songs die Bühne verlassen, über zweitausend Randalierer zertrümmern die Bestuhlung des Freilichttheaters hinter dem Olympiastadion, sie stürmen die Bühne - Schaden über 300.000 Mark, die Krawalle setzen sich bis zum S-Bahnhof Halensee fort.

Ignorante Eitelkeit von Entscheidungsträgern beim DLF zwingen Carlo Wolff trotz des riesigen Erfolgs zur Kündigung als Festangestellter beim DLF, da er Aushängeschild für das III. Fernsehprogramm des WDR unter Werner Höfer werden soll. Dank Carlo Wolffs Selbstbewußtsein und dem Druck von Hanns Müller kann Carlo dann doch als freier Mitarbeiter seine beiden Erfolgssendungen „Schlagerderby“ und „Aktueller Plattenteller“ weitermoderieren. Die Gestaltung der Sendungen als Autor, Reporter und Moderator lägen im eigenen künstlerischen Ermessen, wodurch das Niveau der Sendungen bestimmt werde. Daher würde er nach einer Honorarkategorie honoriert, die für anspruchsvolle Wort/Musiksendungen“ sowohl der Abteilung „Unterhaltung“ wie auch der Abteilung „Ernste Musik“ vorgesehen sei. WDR-Mann Harald dazu: „Gratuliere, jetzt haben Sie ,freie Fahrt’, das ist Ihre Chance, machen Sie was draus!“

Und das tut er.

Kurz vor Weihnachten 1966 geht das erste knappe „Schlagerderby“-Halbjahr zu Ende, die erfolgreichsten Gruppen sind die Beatles mit 4 Titeln - „Help“, „Yesterday“, „I feel fine“ und „Ticket to ride“, die Rolling Stones mit 2 Titeln - „(I can’t get no) Satisfaction“ und „Get off of my cloud“, die Byrds mit „Mr. Tambourine Man“ und die Lords mit „Shakin’ all over“.

1966
Ein paar Mädchen haben Carlo geschrieben - bezüglich des „Schlagerderbys“, darunter Ramona aus Marburg. Sie hat immer Krach mit ihrer Mutter, weil das Derby zu lange dauert ... Ramona ist erst 15 Jahre und muss um neun Uhr ins Bett, die Sendung geht aber bis 21.30 Uhr. Carlo notiert, er werde einen Querverweis auf die Wiederholung im ,Aktuellen Plattenteller’ anbringen!

Zwei Mädchen aus Mitteldeutschland schreiben sinngemäß: „Hallo Carlo, im letzten ,Schlagerderby’ haben Sie meiner Freundin und mir eine große Freude bereitet. Ich bin Christine und meine körperbehinderte Freundin heißt Monika. Haben Sie herzlichen Dank, dass Sie „The Sound of Silence“ mit Simon & Garfunkel gespielt haben. Meine Feundin saß zur Zeit des ,Schlagerderbys’ in ihrem Zimmer und hörte wie jeden Montag und Mittwoch zu. Plötzlich kamen dann Ihre Worte mit unseren Namen, das war ganz toll! Danke auch für die Autogrammadresse von Simon & Garfunkel, Weiterhin so viel Erfolg für das Schlagerderby. Christine und Monika aus Dresden.“

ab Februar 1966
wird er neben seiner Hauptanstellung beim WDR (16 Tage monatlich für Nachrichtensendungen im III. Programm und im I. Regionalprogramm) für alle möglichen Sendung eingesetzt (weiterhin „Musik für junge Leute“), „Prisma der Welt“, „Revue der Woche“, in Mittagskommentaren, „Themen des Tages“, beim Landfunk, in Sportsendungen, Pressespiegel, Wirtschaftsrundschau, WDR-Fernsehen („Ein Tag, eine Stunde“, „Hierzulande - Heutzutage“, „Arbeit gesucht - geboten“, spricht aktuelle Filmberichte und Feature aus dem Bereich Kultur und Wissenschaft, arbeitet als Producer für die Sendung „Zwischen Rhein und Weser“ im 2. Hörfunkprogramm des WDR und vertritt seinen Kollegen Egon Hoegen bei der Ansage von Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“ und so weiter. Urlaub, freie Wochenenden oder dienstfreie Feiertage gibt es nicht mehr: entweder ist er im Studio oder schreibt Manuskripte oder Notizen für die ständig zunehmenden Reportagen und Interviews.

afp-Korrespondentenbericht über eine Tagung der FDJ-Kreisorganisation an der Technischen Hochschule Dresden: ein FDJ-Funktionär bemängelt, dass es mit dem ,Klassen-Standpunkt’ unter den Studenten noch nicht weit her ist und weist zur Begründung auf das Verhalten in den Internaten hin - Zitat: „Der erste Sender, der morgens angestellt wird, ist entweder der Deutschlandfunk oder Radio Luxemburg, und der letzte Sender, der abends abgestellt wird, ist wieder entweder der Deutschlandfunk oder Radio Luxemburg.

Bericht der dpa (Deutsche Presse Agentur) über die SED-Betriebszeitung „aufwärts“ betreffend die „Chemischen Werke Buna“: Ein FDJ-Sekretär fragt, ob nur das Rauchen von 40 Zigaretten am Tag als eine ,Sucht’ bezeichnet werden muss, oder nicht ebenso bei den Jugendlichen die westliche Musik? Zitat: „Läuft man zum Beispiel um 18.15 Uhr durch die Betriebsberufsschule (BBS) und hört Jugendliche singen, so hört man zu 90 Prozent nur Westschlager! Läuft man zum Beispiel um 18.15 Uhr durch das Lehrlings-Wohnheim, ich spreche hier von den zwei Baracken, in denen die Jungen untergebracht sind, so hört man die Rhythmen des Deutschlandfunks dröhnen! (zu der Zeit läuft täglich der „Aktuelle Plattenteller“)

Mittwoch, 16. November 1966:
Nach der Wiederholung des „Schlagerderbys“ im „Aktuellen Plattenteller“ sitzen Hanns Müller, EG und Carlo im Kaminzimmer in ihren Ledersesseln, ein Glas Kölsch vor der Nase. EG wendet sich an Hanns Müller: „Haben Sie mal an eine größere PR-Kampagne gedacht!“ „Wie meinen Sie das?“ „Ich meine Rundfunk- und Fernsehzeitungen, Illustrierte, „Bravo“ und so weiter!“ „Für Schlagerderby und Plattenteller?“ Die Sendungen sind doch Selbstsläufer, da brauchen wir den PR-Rummel nicht - und wer weiß, was die Kollegen dann schreiben würden. Die Hälfte hätten sie vielleicht falsch verstanden, und - seien wir mal ehrlich: Wir können doch froh sein, dass die Hierarchen ab 20.00 Uhr vor dem Fernseher sitzen! Carlo hängt sich manchmal ganz schön aus dem Fenster - das würde manchem von denen eventuell ganz schön aufstoßen! Nein, nein - der Erfolg beruht zum großen Teil auf der Art, wie Carlo die Zuhörer anspricht, wie er mit der Post umgeht, die er mit in die Sendung nimmt (am besten ist er, wenn er improvisiert, aber - das ist ja in diesem Haus ein Reizwort). Die Musik könnten die Leute zum Teil auch woanders hören, vielleicht nicht in der exponierten Zusammenstellung wie bei uns - das Erfolgsgeheimnis ist die Moderation von Carlo, und - nicht zu vergessen - es bleibt für die Hörer immer noch ein Stück Geheimnis, ein bisschen Anonymität: Wer ist dieser Typ, wie sieht er aus, wo kommt er her, was macht er sonst - die wenigsten identifizieren ihn mit dem Carl-Ludwig Wolff im Fernsehen.“ „Wahrscheinlich hast du Recht, Hanns - mir fällt da der Brief von einer ,Gräfin von Sowienoch’ vom Bodensee ein, sie hatte noch nie an eine Zeitung oder Rundfunkanstalt geschrieben, aber mir wollte sie unbedingt mitteilen, wie aussergewöhnlich sie meine Stimme und meine Moderation findet, die leiste Ironie, die gelegentliche Distanzierung bei Texten, Briefen und aktuellen Meldungen, die Sensibilität im Umgang mit der Post aus Mitteldeutschland - und, und, und ... Das imponiert ihr wohl irgendwie. Natürlich kam eine Woche später prompt ein Brief von einem Studenten: „Mensch Carlo, jetzt auch noch die Frau Gräfin ... muss das denn sein?“ Aber - genau da liegt es vielleicht! Übrigens Hanns, wir müssen unbedingt über unser System sprechen: Die Methode, die Favoriten-Rennen getrennt von den Außenseiter-Rennen laufen zu lassen, verwirrt die Leute immer wieder, sie wissen nicht, ob sie nur für die Favoriten und/oder nur für die Außenseiter-Rennen ihre Stimme abgeben dürfen oder ob sie bei beiden Derbyläufen mit abstimmen können. Irgendwann haben wir da einen Knick im System, aber da sollten wir mal in Ruhe in der Redaktion drüber sprechen.“ „Könnte man nicht“, EG. kratzt sich am Kinn, „Entschuldigung, ich bin ja hier nur Gast, aber könnte man nicht die Favoriten und die Außenseiter in einem einzigen Derbylauf zusammenziehen und dann drei/vier Wochen durchlaufen lassen?“ „An solch eine Zusammenfassung habe ich auch schon gedacht“, Hanns rückt seine Brille zurecht, „aber das sollten wir wirklich mal in Ruhe diskutieren, es drängt und ja nichts und niemand“. „Im Grunde ruht doch das Programm des DLF zur Zeit auf drei Säulen: den stündlichen Nachrichten-Sendungen, dem täglichen „Plattenteller“ und dem wöchentlichen „Schlagerderby“, und alles andere drum herum partizipiert davon“ - EG, sieht Hanns fragend an. „Also - zweifellos haben die Nachrichten, der Plattenteller und das Derby Lokomotiv-Funktionen, was die Popularität des Senders angeht ...“

Montag, 28. November 66:
Das vorletzte Schlagerderby-Rennen des Jahres läuft.

1968
Das Schlagerderby bekommt eine neue Erkennungsmelodie als Intro:
"Apollo Flight" von der The Boston Show Band.
Der Wechsel fand entweder zum zweiten Halbjahr 1968 oder Anfang Januar 1969 statt (lt. Carlo Wolff)

Ende der 60er Jahre wude das Programmschema geändert: Die Derby-Hitparade wurde alle vier Wochen ausgesetzt und statt dessen das Derby-Intermezzo "Zwischen den Rennen" eingeführt. Das hatte drei Vorteile. Zum einen konnten viel mehr Hörerwünsche erfüllt werden. Zum zweiten konnten viele schöne neue Langspielplatten vorgestellt werden, die neu auf den Markt kamen, und drittens: Interviews, die Carlo Wolff in den zurückliegenden Wochen gemacht hatte, konnten nu in diesen Sendungen untergebracht werden. Das waren zum Beispiel Daliah Lavi, James Last, Mireille Mathieu, Ray Conniff, Udo Jürgens, Vicky Leandros, die Gruppen Puhdys und Karat aus der DDR, Dr. Hook, Jethro Tull, Peter Maffay und und und viele andere

Hitparade vom Juli 1970

1. „Deine Tränen sind auch meine“ - (Heintje)
2. „Up around the bend“ (Creedence Clearwater Revival)
3. „Soul Brother Clifford“ (The Equals)
4. „American Woman“ (The Guess Who)
5. „Wenn Du bei mir bist“ (Roy Black)
6. „Fantastic“ (Ricky Shane)
7. „Brown Eyes“ (Chris Andrews)
8. „Cecilia“ (Simon and Garfunkel)
9. „Good Morning, Freedom“ (Blue Mink)
10. „Daughter of Darkness“ (Tom Jones)

1974
Eine UKW-Schiene ins Regierungszentrum nach Bonn wird in Betrieb genommen, allerdings auch nur in Mono, da es ja nur um Politiker-Gespräche ging.

Schlagerderby - 19. Zwischen den Rennen "Zum Tod von Elvis Presley:" (Funkausstellung Berlin) 22. 8. 1977. Die regelmässigen Rennen starteten dann wieder am 5. September
Titelliste:
Heartbreak Hotel (1956) 0.05.26-0.07.29
Blue Swede Shoes 0.08.23-0.10.19
Hound Dog 0.10.58-0.13.10
Love Me Tender 0.13.43-0.16.20
Teddybear (1957) 0.17.20-0.19.03
Muss I denn zum Städtele hinaus (1958) 0.19.57-0.21.56
It's Now Or Never 0.23.22-0.26.33
(Can't Help) Falling In Love With You (1961) 0.27.46-0.30.40
Suspicious Minds (1965) 0.31.18-0.35.34
Mystery Train/Tiger Man
(From Memphis to Vegas, from Vegas to Memphis, 1969) (LPset from USA)
0.36.17-0.39.37
In The Ghetto 0.40.07-0.42.50
Snowbird/Tomorrow Never Comes
(I'm Tenthousand Years Old, 1971) 0.43.35-0.49.46
Burning Love (1972) 0.50.19-0.52.58
Aloah From Hawaii - via Satellite: C.C. Rider - Glory, glory Hallelujah - American Trilogy - Glory, glory Hallelujah" (14.1.1973) (DVD) (special DVD) (CD) 0.53.25-1.00.38
Green Green Gras Of Home (1976) 1.00.58-1.04.29
King Creole 1.06.10-1.08.16
1.10.13-1.12.37
Gesamtlänge 1.13.57

Schlagerderby/Aktueller Plattenteller (Juni 1976)
Titelfolge der Hörerwunschsendung:
The Beatles: Yellow Submarine (1966) 0.01.43-0.04.19
Deep Purple: Smoke on the water (1972) 0.05.27-0.11.11
Neil Young: Heart of Gold (0.11.32-0.14.41)
Creedence Clearwater Revival: Looking out my back door
0.15.32-0.18.08
Procul Harum: A Whiter Shade Of Pale (1967, re-release 1976) 0.18.37-0.22.44
Dr. Hook & The Medicine Show: Sylvia's Mother 0.23.11-0.27.04
Max Greger: American Patrol 0.27.21-0.29.51


Aktueller Plattenteller (Silvester 1975)
Frank Zander: Der Dealer (LP "Wahnsinn") 0.02.18-0.03.36
Pepe Lienhard Band: Linda's Applepie 0.03.37-0.06.39
Frank Zander: Mutter Mit Kind (LP "Wahnsinn") 0.07.29-0.08.12
Chaos: Guitar Man 0.08.13-0.11.23
Frank Zander: Dann Prost mein Freund (LP "Wahnsinn") 0.11.38-0.12.26 - Unterbrechung 0.12.56-0.17.40
Gunter Gabriel: Heut' ist nicht mein Tag 0.18.10-0.21.10
Bläck Föös: Die Abenteuer des Wilderers Walter 0.22.08-0.25.57
Ruth Hentel: Mein Gott, Walter 0.26.18-0.28.16
Detlef: Mein Gott, Walter 0.28.29-0.30.50
Ulrich Roski: Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr? (LP "Das ist der Dank") 0.31.15-0.34.0
Peter Pasetti mit dem Oscar Peterson Trio, + Clark Terry (Trompete): Hamlets Geist/Inschrift auf einem sächsisch-preussischen Grenzstein 0.34.54-0.40.29
Schobert & Black: O gutes Jährchen, 0.42.21-0.43.20
(DoLp "Das ganze Jahr")
Des Bauernjahres 13. Monat 0.43.20-0.42.21
Aller Scheinheiligen 0.45.39-0.48.17
Ray Anthony: Mister 0.49.02-0.51.32
Gesamtlänge: 0.55.28

Schlagerderby - Zwischen den Rennen: u.a. mit der Vorstellung des 3-LP-Set über das "Woodstock Music and Arts Fair" vom Sommer 1970. (Der Studiomitschnitt bricht aus regietechnischen Gründen bei "Song of Joy") ab.

Titelfolge:
Joergen Ingman: El Condor Pasa 0.04.17-0.08.04
Woodstock:
Country Joe MacDonald: Vietnam Song 0.10.22-0.13.27 (YouTube)
Jeffrey Charliffe & Joan Baez: He's a Drugstore's Drug Driving Man 0.13.27-0.16.16
Joan Baez: I never did said he 0.16.16-0.19.38
Crosby, Stills, Nash & Young. Woodstock 0.20.58-0.24.54
Christie: Yellow River 0.26.16-0.28.57
Howard Carpendale: Das schöne Mädchen von Seite 1 0.29.21-0.31.41
Mungo Jerry: In the Summertime 0.32.27-0.35.53
Peter Alexander: Das Wunder bist du
(Elvis-Cover "The Wonder of you") 0.36.48-0.39.51
Alexis Korner: Mighty mighty (LP "Both Sides") 0.40.56-0.44.58
Renate Kern: Alle Blumen brauchen Sonne 0.45.23-0.47.29 (Abbruch) Pause, Neustart 0.47.52-0.50.20
Miguel Rios: Song of Joy (0.52.00-Abbruch bei 0.59.29)

Gesamtlänge: 0.59.29


Das Festival, das vom 15.-17. 8. 1969 in Woodstock bei New York statt fand, war ursprünglich als rein kommerzielles Event geplant gewesen und es wurden von den Veranstaltern 60.000 Besucher erwartet, die umgerechnet 28 DM pro Tag oder 72 DM für die gesamte Veranstaltung zahlen mussten. Die Polizei schätze die Zahl der Besucher später jedoch auf rund 1 Million, von denen allerdings nur 400.000 zum Event durchkamen, während die anderen wegen Überfüllung der Verkehrswege wieder umkehren mussten. Auch die Künstler, die 20 Kamerateams und alles Sanitär-Personal mussten per Hubschrauber eingeflogen werden, weil es keinen anderen Weg zum Festival mehr gab.
Mit Jimi Hendrix

Schlagerderby: Zwischen den Rennen (Juli 1976, 3. Sendung in der Sommerpause)
Titelliste:
Gary Glitter: Baby, I love your way 0.04.54-0.08.31
Captain & Tennille: Mind your love (LP "Song of Joy") 0.09.30-0.12-33
Captain & Tennille: Shop around (0.13.06-0.16.31)
The Beatles: Long Tall Sally (1964) (Fanpage) 0.17.12-0.19.16
Chicago: If you leave me now 0.19.53-0.23.47
The Beatles: Kansas City (1965) 0.24.23-0.26.58
Pussycat: Help me living on 0.28.01-0.31.57
The Beatles: Lady Madonna (1968) 0.32.39-0.34.57
Alvin Bishop: Struttin' my stuff (LP "Struttin' my stuff") 0.35.56-0.39.51
Frank Zander: Ich trink' auf dein Wohl, Marie (LP "Wahnsinn") 0.40.57-0.45.02
The Beatles: Obla di obla da (1968) 0.45.43-0.48.55
0.48.58-0.49.08 Mitschitt-Unterbrechung
Procul Harum: A Salty Dog (LP "A Salty Dog") 0.49.41-0.54.20
The Beatles: Helter Skelter (1968) 0.55.02-0.59.25
Queen: Brighton Rock (LP "Shear Heardattack") 1.00.41-1.05.57
The Beatles: Dizzy Miss Lizzy (1965) 1.06.29-1.09.25
Pussycat: I'm just a woman 1.10.08-1.13.49
Gesamtlänge: 1.16.38



Aktueller Plattenteller
Weihnachten 1973
Titelfolge
Alice McClarity & Robert Pinkston with Orchestra: Go Tell It On The Mountain (LP "Christmas Gospels") 0.00.25-0.34-50
Coral Cordobesa de los Pedroches: Campana sobe Campana (LP "Weihnachten in Spanien" Navidad En Espana) 0.03.52-0.06.32
Herb Alpert & Tihuana Brass: Las Mañanitas (LP "Christmas Album"sowie Re-Issue)
0.07.03-0.09.58
Frank Sinatra: An Old Fashioned Christmas (LP "White Christmas with Frank Sinatra, Bing Crosby and Fred Woring, 1964, veröffentlicht 1977 in Deutschland) 0.10.35-0.14.20
Heinz Schachtner (Trompete): White Christmas 0.14.59-0.18.06
Swingle Singers: Medley Deck the Hall/What Child Is This? (LP "Christmas with the Swingle Singers"), veröffentlicht in den frühen 60ern in USA (Wikipedia) / (Swinglesingers.com) 0.18.50-0.21.58
Harry Belafonte: A Star in the East (LP "Belafonte To Wish You A Merry Christmas" original release 1962, 1976) 0.22.23-0.26.38
Elvis Presley: Holy leafes and Christmas trees (LP "Elvis sings the wonderful world of Christmas" Oktober 1971 0.27.07-0.29.20
Mahalia Jackson: A Star stood still (LP "Stille Nacht - Mahalia Jackson singt Weihnachtslieder") 0.29.42-0.33.51
Gesamtlänge: 0.34.50

Aktueller Plattenteller
Interview: Alessi Brothers (Hit "Oh Lori" 1977, (offizielle Seite) Text, Sofa Mix, Ringtone, Ultimate Guitar
Titelfolge:

Nashville Train: Ring Ring (ABBA-Cover) Gesamtlänge: 0.30.34-0.02.52
Alessi Brothers: Oh Lori 0.03.39-0-07.01
Alessi Brothers: Seabird 0.09.27-0.12.33
Alessi Brothers: You Can Have It Back 0.15.10-0.18.15
Alessi Brothers: Sad Songs 0.21.19-0.24.51
David Soul: Silver Lady 0.25.09-0.28.44

Aktueller Plattenteller: Totensonntag (1980?)
Titelfolge:
Thema "Franz B" (aus der Serie "Berlin Alexanderplatz") 0.00.04-0.04.07
Peter Maffay: Über sieben Brücken musst du geh'n (LP "Revanche") 0.05.05-0.09.39
Karat: Schwanenkönig (LP "Schwanenkönig") 0.10.31-0.16.31
Veronika Fischer: Goldene Brücken (LP "Goldene Brücken") 0.17.10- 0.21.40
Mark Ullrich: Ophelia 0.21.40-0.24.56
Georg Danzer: Depperts Kind (LP "Traurig aber wahr") 0.25.28-0.29.17
Gesamtlänge des Teil 1 0.29.33
Teil 2:
Kajek: Splatters (Soundtrack)
29.38-0.33.06
Singers Unlimited: Air (Suite D J.S. Bach) 0.34.08-0.38.19
James Last: Largo (Violin Doppelkonzert in D-moll J.S. Bach) 0.38.59-0.44.00
Marek und Vacek: Solveigs Lied (Edvard Grieg) 0.44.42-0.48.05
Flairck: Foor Antoinette (off.Seite) 0.46.35-0.50.42
Francois Glorieux: Something (LP "Plays The Beatles Vol. 2")
0.50.42-0.55.18
Orchestre Raymond Lefevre: 2. Satz aus dem Concerto de Aranjuez (Joaquin Rodrigo) 0.56.02-0.57.00


Champagne-Interview
(im DLF-Plattenteller 1 vom 2. 11. 1977)

Long Tall Ernie & The Shakers-Interview
(im DLF-Plattenteller 1 vom 7. 12. 1977)

Smokie - Live am 4. 12. 1977 in Köln
(Sporthalle, 19.00 Uhr) (Schlagerderby vom 12. 12. 1977

Jahresbestplatzierte Interpreten waren Cliff Richard (1963-1964), Pierre Brice (1965-1966), Lords (1967), Roy Black (1968), Barry Ryan (1969/1972), Ricky Shayne (1970-1971), Sweet (1973/1975), Renate Kern (1974), Bay City Rollers (1976-1978).

Ende "Schlagerderby" (30. 12. 1977)

Der DLF zieht zum Raderberggürtel um.
(Bildquelle: Deutschlandradio)

18. Dezember 1978: das DLF-Schlagerderby wird zu Grabe getragen. Auf dem von Kollegen gebastelten Särgen wird der „Kölsche Klüngel“ bissig erwähnt: „Aber die, die dies gemacht, kennen den Kölschen Klüngel nicht ... das ist eine Pracht.“

Die Hörer quittieren die Absetzung auf ihre Weise: die Nachfolgesendung, moderiert und eingesetzt von Carlos Nachfolger erhält keinerlei Resonanz (Post) und wird nach zwei, drei Wochen wieder eingestellt.

1979: Nach dem Umzug in den Neubau zum Raderberggürtel begint der Aufbau von UKW- und Stereo-Berieb.
Juli 1981: Carlo Wolff nimmt mit "Henry Valentino" (Hans Blum) eine Single-B-Seite auf: "Meine Schuhe haben Heimweh" - natürlich in Stereo.
18. 12. 1982: Letzter "Aktueller Plattenteller" mit Verabschiedung und altem Pausenzeichen
Titelfolge:
Costa Cordalis: Feuer verglüht mit der Zeit (LP "Dich berühren") 0.00.06-0.03.18
Straps feat. Nena: Tell me your name (1980) 0.04.16-0.05.59
Nena: Ganz oben 0.06.11-0.09.32
Snap: Elisabeth (LP "Snap") 0.09.33-0.12.55
Hannes Schöner: Die Stunde der Wahrheit (LP "Willst Du träumen?") 0.13.36-0.16.42<
Stefanie Werger: I wü' di' g'spian (2) 0.17.09-0.20.23
Ulli Bäehr: Schönes Madl (Pretty woman) (LP "Nur mit'm Schmäh") 0.20.24-0.22.38
Claude: Nichts 0.23.17-0.26.31
Peter Kent: Prince of Love 0.26.47-0.29.18
Teil 2:
Vanity 6: Nasty Girl (produzentin) 0.30.15-0.33.44
Fleetwood Mac: Oh Diane (LP "Mirage") 0.34.38-0.37.09
Raw Silk: Do it to the music 0.37.09-0.40.30
Orion: Look me up (Elvis Cover) 0.41.08-0.43.23
Elvis Presley: Elvis-Medley 0.43.23-0.47.11
ABBA: You Owe Me One 0.47.38-0.51.00
Wham: Young Guns 0.51.00-0.54.37
Santana: 0.55.48-0.58.37
Altes Pausenzeichen 0.58.38-0.58.48